Wajukuu Art Centre @ dokumenta 15

Wajukuu Art Centre @ dokumenta 15

„Majuto ni mjukuu huja baadae“ ist ein Sprichwort in Suaheli, der Hauptverkehrssprache in Ostafrika und bedeutet, dass die jeweils kommenden Generationen die Konsequenzen der Handlungen der Eltern und Großeltern zu spüren bekommen. Wajukuu heißt Enkel und darum heißt, haben Shabu Mwangi und seine Mitstreiter im Lunga Lunga Slum in Nairobi (Kenia) ihr Art Centre so genannt – sie selbst sind von den Entscheidungen ihrer Eltern betroffen, wollen aber ihr Bestes tun, den kommenden Generationen Möglichkeiten zu eröffnen, andere Wege zu gehen.

Shabu Mwangi (Quelle: www.urbanafricans.com)

Mein Besuch bei Shabu 2018 hat mich sehr beeindruckt. Aufgewachsen unter furchtbaren Bedingungen ohne Eltern im Slum, beschloss er als Jugendlicher mit einer Gruppe von Freunden, Künstler zu werden. Es gelang ihnen nicht nur diesen zunächst absurd anmutenden Traum zu realisieren, sondern sie gründeten mit dem Wajukuu-Art-Centre einen Ort mitten im Slum, an dem es Filmabende für die Community, eine Bibliothek und einen PC-Raum, sowie Ateliers für Künstler:innen gibt.

Shabu und ich auf seiner Ausstellungseröffnung 2018 in Nairobi

Vor allem aber geht es darum, Kindern die Möglichkeit zu kreativem Schaffen zu bieten, ihnen damit zu helfen, ihre Selbstwirksamkeit zu erfahren und ihre Umgebung aktiv zu gestalten.


Shabu selbst ist als Künstler mit Ausstellungen weltweit so erfolgreich, dass er es sich locker leisten könnte, woanders zu leben. Normalerweise ist es meiner Wahrnehmung nach der verständliche Wunsch nahezu aller Slumbewohner diesen Ort zu verlassen und zu vergessen. Er aber bleibt bewusst, denn, wie er mir erzählte, will er nicht einfach in eine andere Umgebung fliehen, sondern daran mitwirken, seine Heimat zu einem menschenwürdigen Ort zu transformieren. Seine Auslandsaufenthalte, bspw. eine sechsmonatige Arbeit mit Flüchtlingen in Berlin (daraus letztlich resultierende Arbeiten wurden in der Circle Art Agency ausgestellt), haben ihm zu einem ganz erstaunlich klaren Blick auf die Industriegesellschaften des globalen Nordens verholfen. Während viele Menschen in seiner Lage sich nichts sehnlicher wünschen, als so zu leben, wie wir bspw. in Deutschland, sieht er klar die Irrwege unseres Systems (soziale Ängste, Klimakrise, Artensterben, Rassismus etc) und wünscht sich für Kenia und vor allem seine Community, dass diese vermieden und ein eigener Weg zu einem wirklich glücklichen Leben entwickelt werden kann. Beim Gang mit ihm durch sein Viertel wird an den Reaktionen der Menschen schnell klar, wie intensiv sein Schaffen dort wirkt. Schaut man sich diesen Film auf Vimeo an, kann man das vielleicht ein wenig selbst erleben:

The story of Shabu from Aldine Reinink on Vimeo.

Seither verfolge ich fasziniert und bewundernd die Aktivitäten des Wajukuu-Art-Centre auf Facebook und Instagram und habe mich riesig gefreut, dass sie Teil der bald beginnenden dokumenta 15 in Kassel sein werden – und dort dann vielleicht schon nächsten Monat, Shabu endlich wiedersehen zu können. Für mich sind diese Künstler um Shabu wirkliche Helden.

Eines meiner Gemälde, unmittelbar von Shabus Arbeiten inspiriert


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